Chianas Art

Nachdem ich zu meinem letzten Video-Tutorial auf YouTube (Manga-Gesicht zeichnen für Anfänger) einige Fragen dazu bekommen habe, wie man eigentlich Haare zeichnet, stand mein nächstes Tutorial-Thema schnell fest! Heute gibt es also Tipps für euch, wie ihr Haare im Manga-Stil zeichnen könnt. Weil das Thema doch sehr umfangreich ist, habe ich es in zwei Teile geteilt: In diesem Post geht es zunächst darum, wie man Haare an sich zeichnet und welche Haarstrukturen es gibt, während ich im zweiten Teil genauer erklären werde, wie man Haare richtig 'am Kopf anbringt' ...

 

Vorweg muss man sagen: Es gibt nicht nur eine Art, Haare zu zeichnen. Das liegt allein schon daran, dass es verschiedene Haarstrukturen gibt, die alle ihre Besonderheiten haben und unterschiedlich gezeichnet werden müssen.

Im Allgemeinen kann man in vier Haartypen unterscheiden: glatt, wellig, lockig und kraus. Dazwischen gibt es natürlich alle möglichen Abstufungen.

 

Haartutorial Strukturen 

 


Fun Fact:
Wusstet ihr, dass die unterschiedlichen Haarstrukturen abhängig vom dem Winkel entstehen, in dem die Haarwurzeln zur Kopfhaut sitzen? Je schräger die Haarwurzeln, desto stärker wellen sich die Haare!

 

 

Glatte Haare

 

Generell beginne ich beim Zeichnen von Haaren immer damit, zunächst eine grobe Form zu zeichnen, die ich dann nach und nach in mehrere Strähnen aufteile und verfeinere. Ganz glatte, sehr gerade abgeschnittene Haare werden im Manga-Stil oft in leicht geschwungenen ‚Blöcken‘ gezeichnet – besonders bei Ponys ( … im Bezug auf Haare) findet diese Darstellung gern Verwendung. Eine einzelne Strähne kann dann in etwa so aufgebaut werden:

 

Haartutorial Haare glatt Straehne 

 

Wie ihr seht, zeichne ich nach und nach immer mehr Details ein, die großen ‚Blöcke‘ werden also in weitere kleine geteilt und der untere Rand etwas ausgefranst, indem hier kleine Lücken in Form von Dreiecken hinzugefügt werden. 

Wichtig ist darauf zu achten, dass die Haarsträhnen immer unterschiedlich breit gezeichnet werden. Wenn alle Strähnen gleich dick sind, wirkt dies schnell unnatürlich und wenig dynamisch. 

Genauso sollten sie nicht immer auf der gleichen Höhe beginnen, und sowohl vom Haaransatz als auch von den Spitzen aus sollten Linien in die Strähne hinein laufen. Hier könnt ihr im Vergleich sehen, was diese beiden Punkte für einen Unterschied ausmachen:

 

Haartutorial Haare glatt Abstaende

 

So könnte dann eine Frisur mit komplett glatten Haaren aussehen. Auch hier habe ich zunächst die grobe Form der Haare eingezeichnet, um diese dann mit unterschiedlich langen Linien zu verfeinern. Auch glatte Haare folgen natürlich der Kopfform und haben dadurch einen leichten Schwung!

 

Haartutorial glatt Kopf neu

 


Tipp: Wenn ihr die Linie zu den Haarspitzen hin dünner werden lasst, also den Druck von eurem Stift verringert, sehen die Haare leichter und dynamischer aus!

 

 

Wellige Haare

 

Bei welligen Haaren gibt es zwei verschiedene Abstufungen, die ich euch gern zeigen möchte.
Zum einen wären da Haare mit einem sehr leichten Schwung, die man im Manga-Stil sehr häufig findet: Diese sind fast komplett gerade und weisen nur am Ende einen leichte Biegung auf. Je nach Perspektive kann man dadurch auch die Rückseite der Haare sehen!

Während wir bei glatten Haaren ‚Blöcke‘ als grobe Struktur hatten, sind es bei leicht welligen Haaren eher geschwungene, langgezogene ‚Vs‘, die neben- aber auch übereinander platziert werden. Hier ist es besonders wichtig, nicht einfach nur ‚Zacken‘ zu zeichnen, sondern immer im Hinterkopf zu behalten, wo die Strähne eigentlich anfängt (also an einem Scheitel oder Wirbel anzusetzen).

 

Haartutorial Haare wellig1 Straehne

 

Zum anderen gibt es auch Haare, die sich deutlich stärker wellen. Hier kann man zunächst mit einer gewellten Form beginnen, die man dann aufteilt, indem man in die Biegungen kleine 'Mondsicheln' zeichnet und so kleine Lücken entstehen lässt. Auch eignen sich diese Stellen gut, um einzelne kleine Strähnen abstehen zu lassen
Außerdem könnt ihr hier sehen, dass die 'Knickstelle' der Haare unten nicht ganz gerade ist: Dadurch sieht es aus, als würden die Strähnen Volumen haben und sich gegenseitig verdecken.
 

Haartutorial Haare wellig2 Straehne 

  

Bei einer Frisur gehe ich dann wieder genauso vor wie bei der einzelnen Strähne: Zunächst die grobe Form der Haare zeichnen und die dann verfeinern. Hier solltet ihr besonders darauf achten, dass die 'äußeren Wellenlinien' jeweils parallel zueinander verlaufen, sonst entstehen schnell Unstimmigkeiten!

 

Haartutorial wellig Kopf

 


Tipp:
Wenn ihr die Unterseite der Haare leicht schraffiert, wirken die Haare viel dreidimensionaler! Ihr könnt sie euch gut wie einen Vorhang vorstellen, der rund im dem Kopf verläuft und von unten eingeschnitten wird.

 

 

Lockige Haare

 

Lockige Haare sind (finde ich zumindest) mit Abstand am schwersten zu zeichnen, da man hier bei der Perspektive am meisten aufpassen muss. Aber mit der richtigen Technik klappt auch das!
Für eine einzelne Strähne beginnt man am besten mit einer Wellenlinie, von der dann kurz vor den Biegungen einzelne Linien nach oben abgehen. Diese kann man dann mit der Wellenlinie so verbinden, dass quasi ein Band entsteht, dass in sich gedreht ist: Der Teil der Linie, der gestrichelt ist, ist dabei nicht sichtbar.
Da Haare aber nicht platt sind, bekommt das Band als nächstes etwas Volumen und wird, ihr ahnt es bereits, wieder in unterschiedlich große Partien aufgeteilt. Für mehr Dynamik kann man dann noch weitere dünnere Strähnen dazu zeichnen und einzelne Bereiche schraffieren: 

 

 

Haartutorial Haare lockig Straehne

 

Zur besseren Übersicht zeige ich euch hier noch einmal die vier Techniken, die ich beim Zeichnen von lockigen (und z.T. auch glatten und welligen) Haaren benutze und die ihr je nach eurem Geschmack anwenden könnt:

1.: Strähnen aufteilen, indem man 'Mondsicheln' oder 'Schnitte' hinein zeichnet
2.: An Biegungen einzelne Strähnen abstehen lassen und einzelne dünne Strähnen über die Ausgangssträhne zeichnen, die nicht dem Schwung der großen Strähne folgen
3.: Strähnen wie ein gedrehtes Band zeichnen (dabei auf das Volumen achten!)
4.: Einzelne dünnere Strähnen nach dem gleichen Muster vor oder hinter bereits vorhandene Strähnen zeichnen

 

Haartutorial lockig tipps

 

Hier könnt ihr jetzt noch eine Frisur mit lockigen Haaren sehen: Die wirkt auf den ersten Blick sehr kompliziert, tatsächlich habe ich allerdings nur sehr viele (unterschiedlich dicke!) Strähnen nach dem Muster gezeichnet, dass ihr gerade gesehen habt. 

 

Haartutorial lockig Kopf 


Tipp:
Für ganz kurze Haare zeichne ich lediglich viele kurze Linien nebeneinander, die nicht immer miteinander verbunden sind. Dadurch wirken die Haare sehr fein und leicht!

 

 

Krause Haare / Afrolocken

 

Krause Haare oder auch Afrolocken sind wieder deutlich einfacher zu zeichnen - zumindest, wenn man wie ich nicht alle Haare einzelnd zeichnet, sondern sie deutlich vereinfacht. Tatsächlich handelt es sich dabei um sehr stark zusammengezogene Haare, die an den Enden gern Spiralen bilden.
Hier könnt ihr die Haarform sehr gut mit einer unregelmäßigen Wellenform andeuten und auch wieder einzelne, unterschiedlich große Partien einzeichnen. An den Haarspitzen kann man dann detaillierter werden und Spiralen zeichnen, die nach unten hin immer dünner werden. Einzelne, lose Strähnen lockern das Gesamtbild schließlich auf:

 

Haartutorial Haare kraus Straehne


Bei Frisuren mit solchen Locken müsst ihr dann vor allem beachten, dass diese Haare sehr viel Volumen haben (und Haare im Manga-Stil haben ja eh schon viel Volumen, daher: ruhig etwas übertreiben!), also lasst genügend Abstand zur Kopfform. Je nachdem, wie definiert die Locken sind, lassen sich einzelne Haarpartien besser oder schlechter ausmachen. Lose Strähnen bieten sich für allem auch um das Gesicht herum an, um dieses etwas einzurahmen:

 

Haartutorial kraus Kopf

 

 
Tipp:
Wenn ihr den Druck beim Zeichnen der Wellenlinien variiert und den Stift ab und zu absetzt, kommt die Sprungkraft dieses Haartyps besonders gut zur Geltung!

 


Die Stilfrage: Wie detailliert sind eure Haare?

 

Abschließend darf man beim Zeichnen von Haaren eine Sache nicht vergessen: Wie detailliert Haare gezeichnet werden und wie nah sie an der Realität sind, hängt vor allem auch von eurem eigenen Zeichenstil ab. Wenn man sich Zeichnungen verschiedener Mangaka anschaut stellt man schnell fest, wie unterschiedlich Haare gezeichnet werden können:

Während Masashi Kishimoto, der Zeichner von Naruto, die Haare seiner Figuren sehr simpel hält, zeichnet Arina Tanemura, die Zeichnerin von Kamikaze Kaito Jeanne oder Shinshi Domei Cross, extrem detaillierte Haare (um mal zwei recht bekannte Beispiele zu nehmen). Ich habe hier mal versucht, die beiden Stile nachzuahmen, um euch den Unterschied zu verdeutlichen:

 

Haartutorial Stilvergleich

 

Probiert also einfach aus, welcher Stil euch am besten gefällt!

 

Ich hoffe wie immer, dass euch dieses kleine Tutorial geholfen hat und freue mich auf eure Umsetzungen :) Lasst mir eure Bilder gern in den Kommentaren da!

 

Viel Spaß beim Zeichnen! ^-^

 

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